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Der rumänisch-orthodoxe Klerus vor den Herausforderungen des Antisemitismus und der Legionären Bewegung

Paul Brusanowski

Abstract


Der Artikel analysiert die ideologischen Quellen des Antisemitismus in Rumänien vor und nach der großen rumänischen Vereinigung von 1918. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg gab es im rumänischen Altreich etwa 4,6 Prozent Juden, welchen die rumänische Staatsbürgerschaft abgelehnt wurde und zwar insbesondere aus wirtschaftlichen (und nicht religiös-christlichen) Gründen. Die Anwesenheit der Juden wurde von vielen in der Gesellschaft als Hindernis für eine „gesunde und nationale Modernisierung des rumänischen Staates“ angesehen.

Nach der Vereinigung von 1918 wurde diesem Bevölkerungsteil die rumänische Staatsbürgerschaft dennoch anerkannt. Aus den damit verbundenen Protesten entstand jedoch eine vorher gar unvorstellbare religiöse-mystische antisemitische Strömung. Es wurden zwei verschiedenen und nicht immer gegeneinander freundlich gesinnten politischen Bewegungen in Spektrum des Rechtsextremismus gegründet: Liga für die christliche nationale Verteidigung (LANC) und die Legion des Erzengels Michael (kurz auch Legionäre genannt); beide konnten zusammen während der letzten demokratischen Wahlen der Zwischenkriegszeit von 1937 etwa 25 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Die Positionen der rumänischen orthodoxen Kirche gegenüber diesen zwei politischen Bewegungen war zwiespältig. Viele Pfarrer sympathisierte mit der Legion. Da aber die Führer der Legion sich als die Leiter einer neuen spirituellen Revolution ansahen, mit dem Zweck einen neuen Menschen zu bilden, konnten die meisten Bischöfe der Kirche der Legion nicht offen unterstützen; es wurde im Gegenteil die mehr konservative und nicht revolutionäre aber doch antisemitische LANC gefördert.

Auch nachdem die Legion am 14. September 1940 an die Macht kommen konnte, wurden die Erwartungen der Legionäre auf eine volle Unterstützung der Kirche nicht erfüllt. Nach der politischen Wende von 1989 wurden die national-christlichen Ideen der Legion teilweise wieder populär, was die vielfältigen Nachdrucke legionärer Schriften erkennen lassen.


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© 2020 Zeitschrift für Balkanologie (ISSN 0044-2356) Gefördert durch DFG Harrassowitz Verlag Logo