Aufzeichnungen und Interpretationen der kroatischen oralen Prosa: Geschichte und Neubewertung

Ljiljana Marks

Abstract


In der Zeit der Transition und der Globalisierung wird die Frage nach der kulturellen Identität im europäischen und im weltweiten Kontext zu einem Brennpunkt von Erörterungen und Überlegungen – sowohl in den Geisteswissenschaften als auch im Alltag. Die Rückkehr zu den Wurzeln im Dienste des Aufbaus einer nationalen Identität, besonders in Kroatien in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts, steigerte das Interesse an Folklore und traditioneller Kultur, führte aber auch (unter dem Einfluss der öffentlichen Meinung und der Medien) zu einer teilweisen Erneuerung ihrer aus dem 19. Jahrhundert stammenden romantischen Wahrnehmung als Überbleibsel der nationalen Vergangenheit. In den Geisteswissenschaften wird dieser Prozess heute als Retraditionalisierung bezeichnet und am häufigsten als eine Antwort auf die im Sozialismus durchgeführte Detraditionalisierung gedeutet.
Eine Analyse und der Vergleich der Interpretationsverfahren in der kroatischen oralen Prosa des 19. und 20. Jahrhunderts, vornehmlich in der Sage, soll die angeführten Tendenzen widerspiegeln. Die Sage stellt nämlich erzählerisch eine wesentlich aktuellere und produktivere Gattung dar als die anderen Prosagattungen – wie beispielsweise das Märchen –, und sie eignet sich auch aufgrund ihrer mythischen und historischen Komponenten viel besser für verschiedene und unterschiedlich anpassungsfähige Verwendungen und Interpretationen.  

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